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Einleitung Der ursprüngliche Entstehungskontext eines archäologischen Befunds und der in ihm fassbaren Objekte spielt eine primäre Rolle für die Interpretation materieller Hinterlassenschaften .
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Gräber stellen in erster Linie das Resultat eines sozial prekären und emotionalen Ereignisses in einer Gemeinschaft dar – dem Tod eines ihrer Mitglieder .
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Aus archäologischer Perspektive repräsentieren Bestattungen so eine primäre Quelle für die Erforschung des Todesverständnisses in vergangenen Gesellschaften .
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In der deutschsprachigen Frühmittelalterforschung standen bislang materialbasierte Arbeiten , die sich der typochronologischen Auswertung von Grabinventaren ( z.B. Böhner 1958 ; Koch 1977 ; Menghin 1983 ; Strauß 1992 ; Theune 1999a ; Schach-Dörges 2004 ; Schwarz 2004 ) , der Frage nach dem Ausdruck ethnischer Identität...
{ "ART": [], "CON": [ "Grabinventaren", "Gräberfelder" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [ "1958", "1977", "1983", "1992", "2004", "2004", "2002–2005", "2006", "2008", "1926", "1968", "1968", "2004", "2012", "merowingerzeitlichen" ], "SPE...
Studien zu Glaubensvorstellungen und religiösen Aspekten im merowingerzeitlichen Bestattungsbrauchtum befassen sich v.a .
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mit der Christianisierung im Sinne eines Bekenntniswechsels aus historischer Perspektive ( z.B. Berschin , Geuenich und Steuer 2000 ; Lorenz und Scholkmann 2003 ; Heinrich-Tamáska , Krohn und Ristow 2012 ) , wobei eine objektbasierte Forschung dominiert ( Schülke 1997 ; z.B. Knaut 2003 ) .
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Die Untersuchung dieser historischen Prozesse beleuchtet aber nur bedingt die tatsächliche Beziehung der frühmittelalterlichen Menschen zum Tod , da sie sich mehr mit der offiziellen Konfessionszugehörigkeit als den dahinterstehenden Ontologien und damit zusammenhängenden sozialen Praktiken auseinandersetzt .
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Auch im theoretischen Diskurs der anglophonen Forschung lag und liegt das Hauptaugenmerk der Bestattungsarchäologie auf der Dynamik sozialer Strukturen , wobei sich die Diskussion weg von den funktionalistischen Ansätzen der Prozessualen Archäologie , hin zur Frage nach dem Zusammenspiel menschlicher und nichtmenschlic...
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2005 ; Williams 2006 ; Boric und Robb 2008 ; Rebay-Salisbury , Sørensen und Hughes 2010 ; Tarlow und Nilsson Stutz 2013 ) .
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Gräber als materielle Manifestation eines Bewältigungskonzeptes der Todesproblematik zu betrachten und als Quelle einer Untersuchung zur Einstellung einer Gesellschaft zu Sterben und Tod zu verstehen , stellen im Rahmen der eben besprochenen Themen eine noch sehr junge Forschungsagenda dar ( z.B. Taylor 2008 ) und habe...
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Die vorliegende Studie setzt an diesem Forschungsdesiderat an und befasst sich mit der Einstellung und den Vorstellungen der merowingerzeitlichen Bevölkerung zum Tod am Beispiel der Gräberfelder von Bad Mingolsheim ( Landkreis Karlsruhe ) , Horb-Altheim ( Landkreis Freudenstadt ) und Weingarten ( Landkreis Ravensburg )...
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Im Zentrum steht die Frage , ob sich durch den systematischen Vergleich archäologischer und anthropologischer Daten Aspekte in der rituellen Praxis dieser Gemeinschaften differenzieren lassen , die eher auf die Lebendgesellschaft oder auf ontologisch bedingte Konzepte von Folgewelten und Totenidentitäten bezogen werden...
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Durch die Gegenüberstellung von humananthropologischen Indikatoren für die alltäglichen Tätigkeiten der untersuchten Gemeinschaften sowie paläopathologischer Daten mit der Darstellung der Toten im Grab wird das Zusammenspiel von Todesumständen , Lebensidentitäten und Glaubensvorstellung bei der Grabgestaltung untersuch...
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Die Arbeit gliedert sich in acht Abschnitte und beginnt mit einem einleitenden Überblick ( Kapitel 1 ) , welcher einen forschungsgeschichtlichen Abriss zur frühmittelalterlichen Gräberfeldarchäologie mit Fokus auf die merowingerzeitliche Alamannia enthält .
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Zusätzlich wird die Entwicklung in der anglophonen Theoriediskussion zur Bestattungsarchäologie besprochen und so ein breites Spektrum unterschiedlicher Ansätze und Interpretationsmodelle für Bestattungen präsentiert .
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Diese Ausführungen münden in der Erhebung gegenwärtiger Forschungstrends im Fach sowie der Definition von Forschungsdesideraten und leiten zum nächsten Kapitel über , in welchem der theoretische Rahmen der Studie vorgestellt wird .
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Kapitel 2 befasst sich zunächst mit philosophischen , kulturanthropologischen , soziologischen und historischen Studien zum menschlichen Todesverständnis und dem kulturellen Umgang mit dem Tod ( u.a. Hertz 1907 ; Huntington und Metcalf 1979 ; Ariés 1981 ; Feldmann 1990 ; Van Gennep 1909 ; Jankélévitch 2005 ) , um so ei...
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Dabei werden der Stellenwert thanatoarchäologischer Fragestellungen ( sensu Hofmann 2008 : Kap .
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VII ) in der gegenwärtigen Diskussion zum Einfluss von Glaubensvorstellungen und Religionsbekenntnissen in der deutschsprachigen Frühmittelalterforschung kritisch diskutiert und anschließend die Forschungsziele dieser Studie formuliert , die auf eine Analyse der Einstellung zum und der Vorstellung vom Tod in der frühmi...
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Im anschließenden Kapitel 3 werden die als Fallstudien ausgewählten Gräberfelder von Bad Mingolsheim ( vgl. Schäfer 2005 ) , Horb-Altheim ( vgl. Beilharz 2011 ) und Weingarten ( vgl. Roth und Theune 1995 ; Theune im Druck ) vorgestellt und deren zeitliche und räumliche Verortung dargelegt .
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Die Auswahl der Fundstellen erfolgte auf Basis des guten Publikationsstands .
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In allen Fällen sind die Materialvorlagen bzw. typochronologische Auswertungen sowie zusätzliche naturwissenschaftliche Untersuchungen der menschlichen Skelette bereits verfügbar , sodass die drei Gräberfelder die erforderliche umfangreiche Datengrundlage aufweisen .
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1 Vgl. für eine umfassende Darstellung der frühmittelalterlichen Bodenfunde dieses Gebiets Theune 2004. einleitung 11 Zur Untersuchung der relevanten Fragestellungen wurde für jedes Gräberfeld ein systematischer Vergleich archäologischer Daten zu Grabinventaren ( Inventardaten ) und Grabgestaltung ( Ritualdaten ) mit a...
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Als Basis diente hierzu die auf Clusteranalysen basierende Methode der Contextual Statistical Analysis nach C. N. Popa ( 2012 ; 2014 ) , welche speziell auf die statistische Auswertung mehrdimensionaler Datensätze aus Bestattungen ausgerichtet ist .
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Die Funktionsweise der Methode wird ausführlich in Kapitel 4 besprochen .
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Begleitet sind diese Erläuterungen einerseits von einer kritischen Reflexion zur Verwendung statistischer Verfahren in der Archäologie und andererseits von einer detaillierten Beschreibung der Datenaufnahme und -strukturierung , welche besonders in Hinblick auf die zuvor definierten Fragestellungen entwickelt und durch...
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Das Kernstück dieser Studie bildet die Auswertung und Interpretation der Gräberfelder von Bad Mingolsheim , Horb-Altheim und Weingarten .
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Da jede der Fallstudien separat untersucht wurde , werden auch die Ergebnisse getrennt in den Kapiteln 5 bis 7 vorgestellt .
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Für jeden Bestattungsplatz wird zunächst die archäologische Konstitutionsgrundlage der Clusteranalysen besprochen und mit den anthropologischen Parametern verglichen .
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Auf Basis der erkannten Muster erfolgt dann die Verknüpfung der Resultate mit den theoretischen Überlegungen , wobei die Frage nach der Relation von Konstruktion der Totenidentität des Verstorbenen2 im Grab und seinen sozialen Rollen im Leben diskutiert , Mechanismen und Einflüsse diesseits- und jenseitsbezogener Aspek...
{ "ART": [], "CON": [ "Grab" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [], "SPE": [] }
Die Details der statistischen Auswertungen sind in detaillierten Tabellen im digitalen Annex der Arbeit dargestellt , der uneingeschränkt und kostenlos von KOPS ( Online-Repository der Universität Konstanz : http : //nbn-resolving.de/urn : nbn : de : bsz:352-0-283673 ) heruntergeladen werden kann .
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Im Kapitel 8 werden die Ergebnisse der Fallstudien einander gegenübergestellt und Unterschiede und Ähnlichkeiten in den einzelnen Gemeinschaften , eingebettet in ihren spezifischen historischen Kontext , diskutiert .
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Abschließend wird in einem Resümee der Stellenwert der gewonnenen Erkenntnisse für die Frühmittelalterforschung besprochen und ein Ausblick auf die künftige Untersuchung merowingerzeitlicher Bestattungsrituale gegeben .
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2 Aus Gründen der Lesbarkeit des Texts wird bei Aussagen , die allgemein zu verstehen sind und beide Geschlechter betreffen , die maskuline Form verwendet und ist in diesem Sinne als geschlechtsneutral zu verstehen .
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Feminina sind Sachverhalten vorbehalten , die ausdrücklich das weibliche Geschlecht , sowohl im biologischen als auch im sozialen Sinne , betreffen .
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die archäologie und der tod – überblick zur forschungsgeschichte 13 Kapitel 1 Die Archäologie und der Tod – Überblick zur Forschungsgeschichte Da sich diese Arbeit als theoretisch fundierte Materialanalyse versteht , wird in diesem Kapitel zunächst ein Überblick über die Forschungsgeschichte und Interpretationsmodelle ...
{ "ART": [], "CON": [ "Bestattungen" ], "LOC": [ "Südwestdeutschlands" ], "MAT": [], "PER": [], "SPE": [] }
Auf eine Diskussion bezüglich chronologischer Studien anhand frühmittelalterlicher Bestattungen wird hingegen verzichtet , da in dieser Untersuchung kulturanthropologische Aspekte im Vordergrund stehen und dementsprechend auch der Fokus des forschungsgeschichtlichen Überblicks auf den bisherigen Interpretationsansätzen...
{ "ART": [], "CON": [ "Bestattungen" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [ "frühmittelalterlicher" ], "SPE": [] }
An dieser Stelle sei aber auf den fundamentalen Stellenwert chronologischer Untersuchungen , besonders in der deutschsprachigen Frühmittelalterforschung verwiesen , der , eingebettet in einen eigenständigen , theoretischen und methodischen Diskurs , den zeitlichen Bezugsrahmen für jegliche archäologische Untersuchung b...
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1.1 Gräberfeldarchäologie der Merowingerzeit in Südwestdeutschland Die deutschsprachige Frühmittelalterarchäologie hat seit ihrer Konstitution als Wissenschaft vor etwa 100 Jahren die Untersuchung von Bestattungen zu einem zentralen Interessengebiet ihrer Forschung erklärt .
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Neben den umfangreichen chronologischen Studien an merowingerzeitlichen Grabbeigaben4 aus den zahlreichen Gräberfeldern der ehemaligen Frankia , Alamannia und Baiuvaria , konzentrieren sich Interpretationen zur Bedeutung und Aussage dieser materiellen 3 Für relevante Studien zur Chronologie merowingerzeitlicher Bestatt...
{ "ART": [], "CON": [ "merowingerzeitlichen", "Gräberfeldern" ], "LOC": [ "Frankia", "Alamannia", "Baiuvaria" ], "MAT": [], "PER": [ "merowingerzeitlicher", "1935", "1958", "1977", "1988", "1989", "1996", "1998", "1998", "2001" ], "SPE": [] }
2003 .
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4 Sensu Härke 2003 .
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Da alle in einer Bestattung inszenierten Objekte – auch Kleidungsaccessoires – bewusst für die Beisetzung ausgewählt wurden und im Frühmittelalter eine Konkordanz zwischen dem Verschwinden „ echter Beigaben “ , „ Trachtbestandteilen “ oder anderen Kategorien von Grabfunden ( vgl. zu unterschiedlichen Kategorisierungen ...
{ "ART": [ "Kleidungsaccessoires", "Trachtbestandteilen", "Kleidungsaccessoires" ], "CON": [ "Bestattung", "Beisetzung", "Grabfunden" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [ "Frühmittelalter", "1999" ], "SPE": [] }
Hier besteht v.a .
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auch ein Problem der Erschließung unterschiedlicher semiotischer Ebenen für die Intention der Mitgabe bestimmter Objekte ( Kümmel 2008 : 476 ) .
{ "ART": [], "CON": [], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [ "2008" ], "SPE": [] }
Daher sind in der vorliegenden Arbeit unter dem Begriff „ Beigaben “ alle dem Toten am Körper oder in die Grabgrube mitgegebenen Artefakte zu verstehen , wobei mit diesem Terminus keine Aussage über die Intentionen getroffen wird , welche hinter der Mitgabe dieser Objekte standen .
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14 am rande des grabs Hinterlassenschaften des Totenbrauchtums überwiegend auf die Analyse der Sozialstrukturen frühmittelalterlicher Gemeinschaften und die Frage nach der Manifestation ethnischer Identitäten ( z.B. Martin 2002 ; Brather 2008 ) .
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Diese Debatten erfolgen vornehmlich in einem kulturhistorischen Rahmen und basieren v.a .
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auf sehr detailreichen Materialanalysen und in jüngerer Zeit auch auf vermehrter Kooperation mit den Naturwissenschaften , woraus sich bedeutende Erkenntnisse zu demografischen Verhältnissen und ehemaligen Lebenswelten ergeben haben , die zu einer Verbreiterung unseres kulturgeschichtlichen Verständnisses beitragen .
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Im Fach ist allerdings nach wie vor eine gewisse Zurückhaltung gegenüber theoretischen Debatten zum Zustandekommen der diskutierten Interpretationen immanent ( vgl. hierzu Härke 2000 ; Gramsch 2011 ) .
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Kapitel 3 Untersuchte Gräberfelder im Überblick Für die Untersuchung der vorgestellten Fragestellungen wurden drei Gräberfelder auf dem Gebiet der frühmittelalterlichen Alamannia bzw. dem heutigen Baden- Württemberg ausgewählt , die ein breites Spektrum an Datenmaterial aufweisen : Bad Mingolsheim ( Landkreis Karlsruhe...
{ "ART": [], "CON": [ "Gräberfelder", "Gräberfelder" ], "LOC": [ "Alamannia", "Baden- Württemberg", "Bad Mingolsheim", "Karlsruhe", "Horb-Altheim", "Freudenstadt", "Weingarten", "Ravensburg" ], "MAT": [], "PER": [ "frühmittelalterlichen" ], "SPE": [] }
3.1 ) .
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In allen drei Fällen liegen bereits typochronologische Auswertungen des archäologischen Materials und anthropologische Bestimmungen zu Alter und Geschlecht der menschlichen Überreste vor .
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Hinzu kommen für die Gräberfelder von Bad Mingolsheim und Horb-Altheim paläopathologische Untersuchungen , 87SR/86SR-Analysen an den Skeletten von Horb-Altheim und Weingarten sowie Untersuchungen alter DNA am Sample des letztgenannten Gräberfeldes40 .
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Durch die Laufzeiten der einzelnen Bestattungsplätze sind auch chronologische Überschneidungen gegeben , welche einen weiteren Vergleich der beobachteten archäologischen Muster in den Bestattungsgemeinschaften erlauben .
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Das Gräberfeld von Horb-Altheim läuft absolutchronologisch ca .
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von der Mitte des 5. bis ins zweite Viertel des 6. Jahrhunderts , Bad Mingolsheim vom letzten Viertel des 6. bis ins letzte Viertel des 7. Jahrhunderts , Weingarten vom späten 5. bis in das frühe 8. Jahrhundert n. Chr .
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Dadurch ergibt sich für Horb-Altheim eine Überschneidung mit den frühen Belegungsphasen in Weingarten ( KP1–2 ) 41 , während Bad Mingolsheim in etwa parallel zu den jüngeren Phasen von Weingarten ( KP3–4 ) verläuft .
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3.1 Bad Mingolsheim Das Gräberfeld von Bad Mingolsheim wurde in den späten 1980er Jahren bei Bauarbeiten entdeckt und mit Unterbrechungen bis 1993 ausgegraben .
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Eine zugehörige Siedlung ist nicht bekannt ( Banghard 1993 ; Schäfer 2005 : 417 ) .
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Bad Mingolsheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Bad Schönborn im Landkreis Karlsruhe und liegt im Nordwesten Baden Württembergs , am Übergang der oberrheinischen Tiefebene zum Kraichgauer Hügelland .
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Die Fundstelle des Gräberfeldes befindet sich auf einem Hügelausläufer des Kraichgaus , leicht oberhalb des Kraichbaches ( Schäfer 2005 : 320–322 ) .
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40 Die Dichte frühmittelalterlicher Gräberfelder im Raum der Alamannia ist enorm und Materialvorlagen sind in großem Umfang vorhanden .
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Ein Großteil dieser Fundorte wurde auch anthropologisch auf biologisches Alter und Geschlecht der Bestattungspopulationen untersucht .
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Weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen an den Skeletten , wie pathologische Analysen , Strontium-Isotopen-Analysen oder Untersuchungen alter DNA sind verhältnismäßig jedoch nur selten vorhanden .
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41 Zum Chronologiesystem der „ Kleiderphasen “ ( KP ) siehe Döhrer 2011 : 50-55 .
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60 am rande des grabs Die archäologische Auswertung des Materials von Bad Mingolsheim wurde von M. Schäfer ( 2005 ; siehe ebenso Schäfer 2000 und 2001 ) vorgelegt .
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Die Altersund Geschlechtsbestimmung der menschlichen Überreste sowie die Aufnahme pathologischer Veränderungen am Skelettmaterial wurden von A. Czarnetzki ( 2005 ) durchgeführt .
{ "ART": [], "CON": [], "LOC": [], "MAT": [ "Skelettmaterial" ], "PER": [], "SPE": [ "menschlichen" ] }
Insgesamt wurden im Gräberfeld 61 Grabgruben dokumentiert42 , in denen 67 Individuen bestattet waren43 .
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Beim Großteil der Gräber handelte es sich um Einzelbestattungen .
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Mehrfachbestattungen lagen in 13 Fällen vor ( Schäfer 2005 : 324 , 328–330 ) .
{ "ART": [], "CON": [ "Mehrfachbestattungen" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [ "2005" ], "SPE": [] }
Grab BM03444 stellt den einzigen Verdachtsfall in der vorliegenden Arbeit dar , bei dem es sich um eine Brand- und keine Körperbestattung gehandelt haben könnte .
{ "ART": [], "CON": [ "Körperbestattung" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [], "SPE": [] }
Die nur wenigen vorhandenen Knochenfragmente dieser Bestattung 42 Während der Grabung waren 64 Befunden als Grabgruben verzeichnet worden .
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Allerdings fallen die Befunde mit den Nummern 9 , 27 , 36 und 56 weg , da es sich in diesen Fällen um jüngere Grubenstrukturen handelt , die in keinem Bezug zum Gräberfeld stehen ( Schäfer 2005 : 323f . ) .
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43 A. Czarnetzki ( 2005 : 547 ) identifizierte bei der anthropologischen Auswertung 71 Individuen .
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In vier Fällen handelt es sich aber um verlagertes Knochenmaterial , bei dem nicht entschieden werden kann , in welchen Befundkontext es einzuordnen ist .
{ "ART": [], "CON": [], "LOC": [], "MAT": [ "Knochenmaterial" ], "PER": [], "SPE": [] }
Für diese Arbeit wurden nur die 67 zuordenbaren Individuen berücksichtigt .
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44 Zur Nummerierung bzw. Bezeichnung der einzelnen Bestattungen in der vorliegenden Arbeit siehe Erläuterungen im Kapitel 4.2.1 .
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Weingarten Horb-Altheim Bad Mingolsheim Abb .
{ "ART": [], "CON": [], "LOC": [ "Weingarten", "Horb-Altheim", "Bad Mingolsheim" ], "MAT": [], "PER": [], "SPE": [] }
3.1 : Lage der Fundorte Bad Mingolsheim , Horb- Altheim und Weingarten .
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untersuchte gräberfelder im überblick 61 wurden in der Originaldokumentation als Leichenbrand angesprochen .
{ "ART": [ "Leichenbrand" ], "CON": [ "gräberfelder" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [], "SPE": [] }
M. Schäfer weist jedoch darauf hin , dass nicht gesichert von einer Brandbestattung ausgegangen werden kann ( Schäfer 2005 : 460 ) .
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Soweit nachvollziehbar waren die Toten in gestreckter Rückenlage mit zumeist parallel am Körper oder auf den Oberschenkeln liegenden Armen beigesetzt worden ( Schäfer 2005 : 328 ) .
{ "ART": [ "Toten" ], "CON": [], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [ "2005" ], "SPE": [] }
Hinweise auf Grabeinbauten konnten in 28 Bestattungen dokumentiert werden , wobei es sich vorwiegend um Reste kammerartiger Holzkonstruktionen handelte , in denen z.T .
{ "ART": [], "CON": [ "Grabeinbauten", "Bestattungen", "kammerartiger Holzkonstruktionen" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [], "SPE": [] }
Spuren von Holzsärgen nachgewiesen wurden ( Schäfer 2005 : 336–338 ) .
{ "ART": [ "Holzsärgen" ], "CON": [], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [ "2005" ], "SPE": [] }
Hervorzuheben ist die Bestattung des Mannes aus BM052 , dessen Grab neben Holzkammer und Sarg auch von einem Kreisgraben umgeben war ( vgl. Abb .
{ "ART": [ "Sarg" ], "CON": [ "Bestattung", "Grab", "Holzkammer", "Kreisgraben" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [], "SPE": [] }
3.2 ) Generell muss in Bad Mingolsheim auf die relativ hohe Quote an gestörten Bestattungen hingewiesen werden .
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Nur elf Gräber können als ungestört angesprochen werden .
{ "ART": [], "CON": [ "Gräber" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [], "SPE": [] }
Der tatsächliche Anteil an intentional antik manipulierten Gräbern ist jedoch schwierig zu eruieren .
{ "ART": [], "CON": [ "Gräbern" ], "LOC": [], "MAT": [], "PER": [], "SPE": [] }
Schäfer ( 2005 : 330 ) spricht von 50 betroffenen Bestattungen .
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Tatsächlich lassen sich für viele dieser Fälle aber antike Manipulationen nicht sicher nachweisen , v.a .
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da durch Beschädigungen bei den modernen Bauarbeiten nicht immer zwischen zeitgenössischer und späterer Störung zu trennen ist .
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Nach kritischer Durchsicht der Grabzeichnungen lässt in etwa die Hälfte der Bestattungen auf antike Grabmanipulation schließen .
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In der räumlichen Struktur des Gräberfeldes folgten die Bestattungen grundsätzlich einer W-O orientierten Ausrichtung , wobei manchmal stärkere , manchmal schwächere Schwankungen sowohl in Richtung Norden als auch Süden dokumentiert wurden .
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Eine gänzlich andersartige Orientierung wies nur die Bestattung BM050 auf , welche N-S ausgerichtet war ( Abb .
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3.2 ) .
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Reihenbildungen sind am Gräberfeldplan generell nur vage zu erkennen , wohingegen bereits M. N 1 5 10m 20 15 10 16 14 49 21/21a 22 17 19 18 5 8 13 4 7 37 38 39a/b 43 45 40 32 33 12 11 23 34 41 42 35 28 26 25 24 47 48-1/-2 46 51 52 55 63 64 50 62 53 54 58 60 59 57 31 30 29 44a-c 6a/b 61 3 1 2 Abb .
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3.2 : Bad Mingolsheim .
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Gräberfeldplan .
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62 am rande des grabs Schäfer auf die mitunter deutlich erkennbaren Leerflächen zwischen einzelnen Bestattungen hingewiesen hat sowie auf einen möglichen Pfad , welcher die Freifläche erklären könnte die das Gräberfeld von Nord nach Süd deutlich trennt ( Schäfer 2005 : 327 ) .
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ArchaeoNER

Domain: German archaeological academic texts

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